Mittwoch, 9. Februar 2011

I just want to be perfect.


Noch etwas, das ich vergessen habe, Euch aber auf gar keinen Fall vorenthalten kann und will: Vorletztes Wochenende ging es mal wieder ins Kino. Unser zauberhaftes Kino hier vor Ort hält leider gerade Winterschlaf, aber "Black Swan", den neuen Aronofsky ("The Fountain", "Requiem for a Dream"...) musste ich sehen. Als ich den ersten Trailer im Netz sah, war ich schon so aufgeregt - ich hätte niemals auf die DVD warten können.
Also setzten wir uns ins Auto, um eine Stunde ins nächste Kino zu fahren, das diesen Film spielte. Und es hat sich sowas von gelohnt.

"Black Swan" erzählt die Geschichte der Ballett-Tänzerin Nina, die unter enormen Leistungsdruck steht, da sie die Rolle der Schwanenkönigin zugesprochen bekommen hat. Den weißen Schwan spielt sie perfekt - denn sie ist perfekt, makellos, ein süßes, kleines, liebes Ding - zauberhaft und rein. Und genau aus dem Grunde macht ihr der schwarze Schwan zu schaffen, die ungezähmte, wilde, leidenschaftliche Kreatur, die so ziemlich alles in sich vereint, was Nina so sehr zu unterdrücken versucht. 
Nach und nach wird diese Seite in Nina wach, bricht durch die Oberfläche und verwischt Realität und Illusion, lässt Nina an sich und ihrem Umfeld zweifeln - bis der Kampf zwischen "Gut" und "Böse" sich schließlich sehr eindeutig entscheidet.

Die Story ist jetzt natürlich erst einmal gar nicht so wahnsinnig "OMG, den muss ich sehen"-mäßig. Aber: Darren Aronofsky weiß einfach, wie man aus einer Geschichte ein Gefühl macht. Bisher hatte ich nach jedem seiner Filme ein so intensives - zugegebenermaßen negatives - Gefühl im Bauch, dass ich nicht fähig war, gleich darüber zu sprechen oder überhaupt nur aus dem Kinosessel aufzustehen.
Bei "The Fountain" war das zum Beispiel ein eher kühles, einsames Gefühl, sehr beklemmend und traurig (und den Film fand ich nicht einmal wirklich richtig gut), bei "Requiem for a Dream" habe ich mich wie ausgekotzt gefühlt (und DEN fand ich verdammt gut), bei "Black Swan" war ich völlig gestresst, verzweifelt und unter Druck. Ich habe tatsächlich geheult - und zwar nicht, weil etwas traurig war, sondern weil Nina irgendwie in mir drin war und ich gefühlt habe, was sie gefühlt hat. Die Mutter, die völlig besessen von der eigenen Tochter und deren Karriere ist, die Verzweiflung, weil man etwas nicht schafft, das man einfach schaffen muss, die Unsicherheit, die Panik, weil man nicht mehr weiß, ob das, was gerade geschieht, Realität ist... Natalie Portman hat Nina grandios verkörpert - aber es lag nicht nur an ihr, dass der Film diese Wirkung auf mich hatte.

Aronofsky schafft es irgendwie, in den Zuschauer hineinzukriechen, in sein Gehirn, in seinen Bauch, in seine tiefsten, verstecken Kammern, in denen irgendwelche Ängste oder Gefühle versteckt sein könnten. Er triggert verschiedene Stresspunkte und Unsicherheiten und bringt alles an die Oberfläche, was in einem gelauert hat.

Und auch, wenn ich mich wirklich schrecklich gefühlt habe, als der Abspann kam - leicht zitternd, wieder kurz vorm heulen und völlig erschöpft: Ich habe mich selten so toll gefühlt, wenn es mir scheiße ging.

5 footnotes:

Rosenperle hat gesagt…

Vielen Dank für deine ausführliche Widergabe des Films. Den habe ich auch meine Liste. Bei uns dauert es aber wohl noch ein paar Tage, bis er in unser kleines Kino kommt.
Nach deiner Beschreibung fiebere ich jetzt noch mehr darauf.
Lg Gabriele

Restaurant am Ende des Universums hat gesagt…

Danke für deinen Post zu diesem Film. Wenn dein Text schon so unter die Haut geht..wie wird dann erst der Film?

LG
A.D.
www.restaurant-am-ende-des-universums.de

zuckersüss hat gesagt…

das hört sich toll an - ich möchte den film auch unbedingt noch sehen!! danke für die ausführliche beschreibung,
glg rike

Chinda-chan hat gesagt…

Also ich hab den Film auch gesehen - das war mein erster von den genannten und ich hab bei dem Trailer und den guten Kritiken sehr viel erwartet, ich dachte, der haut mich sicher um... und was soll ich sagen?
Der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Sie hat mich einfach nicht in den Bann gezogen, ich hab nicht dieses Gefühl gehabt mich mit ihr zu indentifizieren - mit ihrer Angst und Panik und ihre Handlungen waren für mich einfach nur nicht nachvollziehbar und gingen finde ich mitunter ins Lächerliche. Teilweise fand ich ihre "Verwandlung" auch total komisch, wie das abgelaufen ist... es hatte Zeitweise finde ich sehr unrealistische und nicht nachvollziebare Sprünge.
Außerdem fand ich alles sehr vorsehrbar, mir war immer klar, was als Nächstes kommt.
Einzig gerührt haben mich die Szenen mit den Nägeln, da bin ich empfindlich... aber eigentlich sollte ein Psychorhriller nicht über sowas die Angst erzeugen, da kann ich mir einen Splatter auch ansehen.

Unterm Strich war er finde ich einfach nur stinkfad und ich war froh, wieder aus dem Kino zu sein, weil ich mich einfach total gelangweilt habe... o.O

Mini-Küche hat gesagt…

Das was du geschrieben hast beschreibt wirklich EXAKT das Gefühl mit dem ich aus dem Kino ging!

Ich habe einen BLogaward für dich:

http://minikueche.twoday.net/stories/blog-award-nr-2-freu/

Liebe Grüße,

Lilly aus der Mini-Küche

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