Dienstag, 7. Juni 2011

Who the beep is Hanna?


Wer meinen Blog schon etwas länger als ein Jahr liest, wird sich vielleicht erinnern  - und allen anderen sage ich es jetzt einfach nochmal: Im April 2010 wurden hier einige Szenen für den Film "Wer ist Hanna?" gedreht, der im Original übrigens einfach nur "Hanna" heißt. Ich habe mich damals als Paparazzi versucht, war dabei nicht besonders erfolgreich und musste letztes Wochenende natürlich sofort ins Kino, um mir das Ergebnis anzuschauen.

Vergessen wir mal die wieder einmal sinnlose Originaltitel-Veränderung, übersehen den Zusatz "Jung. Süß. Unschuldig. Tödlich." auf dem Filmplakat und konzentrieren uns auf den reinen Film. Ich bin völlig erwartungsfrei in den Film gegangen und wurde eigentlich ganz positiv überrascht.

Es geht um - ach nee - Hanna (Saoirse Ronan, den Vornamen spricht man übrigens "Siersha" aus oder so - immer diese Iren...), die von Ihrem Vater (Eric Bana) irgendwo im tiefsten, eisigen Wald aufgezogen und zum perfekten Killer trainiert wird. Sie reagiert blitzschnell, ist unverhältnismäßig stark und wissbegierig und scheint recht emotionslos zu sein - also so ungefähr das Gegenteil einer durchschnittlichen Sechzehnjährigen.

Eines Tages fühlt Hanna sich "bereit". Für was? Für den Kampf gegen Marissa Wiegler (Cate Blanchett), die für Hanna so ungefähr das personifizierte Böse darstellt - darauf hat ihr Vater sie ja auch trainiert. Marissa wird keine Ruhe geben, ehe sie Hanna getötet hat und deswegen muss Hanna Marissa töten (logisch).

Hanna aktiviert also den hauseigenen Peilsender, jeder sollte einen haben, und eine Horde vermummter "Soldaten" kommt, um sie zu holen. Sie kommt in eine Art U-Haft, macht so ziemlich alles kaputt, was man kaputt machen kann (inklusive ein paar Menschen) und flüchtet schließlich. Das ist natürlich nicht ganz so einfach, denn Hanna wird immernoch verfolgt und wirkt zudem auf andere Menschen etwas... strange, da sie zwar viele mehr oder weniger unnütze Metainformationen besitzt (die sie auch jedem ungefragt an den Kopf knallt), faktisch aber keinerlei Erfahrungen mit dem alltäglichen Leben hat. 

Gegen Ende klärt sich natürlich auf, wer Hanna denn nun ist und warum sie gejagt wird. Ob man diese Lösung nun einfach so hinnimmt oder nicht, ist eine andere Geschichte.

Meine Meinung: Wirklich fantastisch fand ich die schauspielerische Leistung von Saoirse Ronan. Obwohl ich ihr die 16 Jahre nicht ganz abnehme (dabei war sie in echt beim Dreh genau so alt), sie wirkt rein körperlich doch noch sehr kindlich, spielt sie absolut überzeugend. Cate Blanchett ist eine meiner Lieblingsschauspielerinnen und auch, wenn ihr Charakter und ihre Frisur in "Wer ist Hanna?" etwas missgebildet sind, wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht - das "Eiskalte" steht der guten Cate einfach super und man nimmt es ihr ab. Eric Bana finde ich doof, was es mir schwer macht, objektiv zu sein, aber ich glaube, auch er hat ganz ok gespielt.
Die Nebencharaktere sollte man keinesfalls vergessen: Absolut genial war beispielsweise Tom Hollander (bekannt als unausstehlicher Lord Cutler Beckett aus "Fluch der Karibik"), der in "Wer ist Hanna?" den skrupellosen, wenn auch leicht tuntigen Isaacs spielt. Interessante Mischung der Adjektive? Japp, kommt aber extrem cool auf der Leinwand.

Was ich ebenfalls unbedingt positiv hervorheben möchte: Der Soundtrack von den Chemical Brothers ist der Wahnsinn. Aggressiv, aufgeladen, aufwühlend - immer, wenn eine Szene mit Musik unterlegt war, passte es wie die Faust aufs Auge und hat die Atmosphäre perfekt gemacht. Und die war auch ohne Musik schon bemerkenswert: Die Bilder sind ästhetisch und stimmungsvoll, die Kameraführung ist gewöhnungsbedürftig, hat aber meinen Geschmack voll getroffen.

Nun ist die Story selbst ja auch nicht komplett unwichtig bei einem Film, das sehe ich ein. Und so sehr der Film in oben genannten Punkten abräumt, so sehr muss man leider Abstriche machen, was die Handlung angeht.
Im Kern ist der Plot ganz cool, allerdings arbeitet der Film fast die gesamte Spieldauer auf etwas hin, das dann im Prinzip in einem einzigen Satz von Eric Bana aufgelöst wird. Wieso wurde Hanna so gedrillt, wieso jagt Cate Blanchett sie (ok, das "warum" erfährt man, aber warum das Warum ein Grund ist, eben nicht - sorry, ich möchte nicht spoilern :D) - und warum zur Hölle haben die einen Peilsender in der Hütte stehen, der bei Aktivierung dem Feind sagt, wo sie sind? Bzw. warum weiß der Feind offensichtlich, dass es einen Peilsender gibt? Haben die das vorher abgesprochen? 

Der Film ist spannend, keine Frage, und eine sehr gute Unterhaltung für den Abend. Das Ende ist leider nicht ganz zufriedenstellend und lässt zu viele Fragen offen, die man sehr leicht hätte klären können.
Und die Szenen, die hier gedreht wurden, hatten auf der Leinwand eine Dauer von geschätzten 13 Sekunden. :D 

Aber: Ich kann "Wer ist Hanna?" absolut weiterempfehlen. Alleine schon wegen Saoirse und Cate. Und wegen der Chemical Brothers. :)

2 footnotes:

Anni hat gesagt…

War letzte Woche auch in dem Film (den ich lange herbeigesehnt habe). Seitdem ich das mit "Cate Blanchett suchen" letztes Jahr hier gelesen hatte, muss ich bei "Hanna" immer an deinen Blog denken :).

Deine Kritik gibt übrigens auch recht genau meine eigene Meinung wider, außer dass ich Eric Bana mag ;). Die Musik war aber auch wirklich großartig! Aber die Story war schon etwas mau...
Bist du bis nach dem Abspann geblieben und hast den kleinen "Gag" mitgekriegt?

Viele Grüße

mia. hat gesagt…

Oh nein, da kam doch noch etwas? Ich bleibe echt immer bis nach dem Abspann, nur dieses mal nicht, weil es schon so wahnsinnig spät war. :( Was kam denn, magst Du erzählen?

Ganz liebe Grüße! :)

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